Montag, 24. Februar 2014

Soulfood: 10 Tips gegen Lebensmittelverschwendung

Ganz heimlich, still und leise hat sich dieses Jahr doch noch ein Neujahrsvorsatz eingeschlichen. Ich hab's erst gar nicht gemerkt, aber mittlerweile lässte es sich nicht mehr abstreiten. Mein Vorsatz für das Jahr 2014 lautet eindeutig: "Lebensmittel vor der Tonne retten"!
Statistisch gesehen wirft jeder von uns etwa 20% der gekauften Lebensmittel weg, obwohl wir alle denken, wir würden viel weniger verschwenden (Quelle). Das sind jede Menge Ressourcen, Wasser, Energie und viel, viel Geld! Mit dem, was in den Industrienationen weggeworfen wird, könnte der Welthunger besiegt werden! Das muss man sich mal überlegen - mir wird da ganz anders!
Und trotz furchtbar schlechtem Gewissen werfe ich ständig Lebensmittel weg: Obst und Gemüse, angebrochene Flaschen Tomatenmark, Käse, Brot, Saft... Die Liste lies sich endlos fortsetzen. Oft bin ich mir unsicher, ob die Sachen noch gut sind. Dann werf ich sie lieber weg. Leicht fällt mir das nicht.

Genau aus dem Grund habe ich schon vor längerem "Taste the waste" angeschaut, in der Hoffnung, dann endlich die Kurve zu kriegen. Hat leider nicht geklappt, und das, obwohl der Film sehr gut und eindringlich gemacht ist. Dann bin ich immer öfter über das "Dumpster Diving" gestolpert und war fasziniert von der Idee, Lebensmittel aus dem Müll der Supermärkte zu retten. Wie stylish, wie revolutionär, wie politisch korrekt!
Bis mir aufgegangen ist, das ich mich erstmal um meine eigenen Lebensmittel in meinem Müll kümmern sollte. Is zwar nicht so sexy wie Dumpster Diving, aber genauso effektiv.
Einige Dinge habe ich also seit meinem Vorsatz geändert und sie haben bisher gut funktioniert. Ich halte mich dabei an ein ganz einfaches Prinzip: Finde Verhaltensweisen, die Erfolge bringen und mach mehr davon. Für mich bedeutet das:

1.) Vor dem Kochen den Kühlschrank öffnen und gezielt schauen, was verbraucht werden muss. Dafür habe ich meinen Kühlschrank umorganisiert: Ins prominente Mittelfach kam eine kleine Kiste, in die alles kommt, was schnell weg muss. Das schafft Überblick, weil klar ist, was zuerst gegessen werden muss. Falls ich gar keine Idee hab, was ich mit den Sachen aus der Kiste machen kann, suche ich im Netz nach einem Rezept, das die Zutat(en) beinhaltet.

2.) Kochen, auch wenn ich keine Lust dazu hab.

3.) Im Zweifel Lebensmittel probieren, ob sie noch in Ordnung sind statt sie einfach weg zu werfen. Dabei natürlich Augen und Nase offenhalten und Vernunft walten lassen. Überraschend oft sind die Sachen noch gut und können problemlos verzehrt werden.

4.) Die Übersicht behalten, wann etwas angebrochen wurde. Steht der O-Saft seit zwei Tagen oder seit zwei Wochen im Kühlschrank? Eine Möglichkeit dazu: Öffnungsdatum auf's Etikett schreiben. Am Besten den Stift dafür gleich mit im Kühlschrank parken.
5.) Wenn klar ist, dass ich etwas nicht rechtzeitig verbrauchen kann, friere ich es ein. Die Herausforderung dabei: Wissen, was im Gefrierfach ist und auch das verbrauchen.

6.) Schadhafte Stellen an Obst, Gemüse und Käse großzügig wegschneiden, im Gegensatz zu Brot sind kleine schimmelige Stellen an diesen Sachen nämlich kein Problem, wenn sie weggeschnitten sind.

7.) Aufschreiben, was ich wegwerfe. Alleine durch das Beobachten und Notieren eines unerwünschten Verhaltens lassen sich Reduktionen um die 30 % erreichen.
8.) Beim Einkaufen realistische Mengen kaufen. Es müssen nicht 100g Wurst sein,  wenn klar ist, dass ich nur 50g essen werde. Außerdem kaufe ich erst ein, wenn der Kühlschrank abgegrast ist, damit ich genau weiß, was ich noch zuhause habe und was ich brauche.

9.) Beim Einkaufen checke ich immer die Kisten mit den reduzierten Sachen. So spare ich Geld und rette Sachen, die am Abend weggeworfen würden. Die Essensplanung baue ich dann um die Fundstücke herum und kaufe den Rest entsprechend ein.

10.) Über die Erfolge freuen und das unsichtbare Superheldencape anziehen!

Allein letzten Monat habe ich so gerettet: 1/2 Kürbis, 2/3 Frischkäse, 1/4 Sellerie 1/2 Liter Orangensaft, 1/2 Ciabatta, 1/2 Flasche Tomatenmark, 1/3 Sahne, 1/3 Salat, Reste eines Käsefondues, 1/2 Zitrone, 2 Ingwerknollen, ein Topf Kräuter und 4 Möhren (boah - soviel?!?!).

Stelle ich mir vor, ich hätte die ganzen Sachen weggeworfen, dann hätte ich für 4 zusätzliche Essen einkaufen müssen. Das wären immerhin 10 % meiner Hauptmahlzeiten gewesen. Da macht Kochen nochmal richtig Spaß! Und jede Rettung fühlt sich genau so an: Wie eine Rettung. Und das Gewissen freut sich auch! So verwandle ich im wahrsten Sinne des Wortes meinen "Müll" in reinstes Soulfood.

Kommentare:

Franka hat gesagt…

Gemüse brauche ich nie wieder wegzuwerfen. Mein Trick: alles kleinschneiden, in Olivenöl andünsten, Flüssigkeit angießen, weich dünsten oder al dente, je nachdem. Dann würzen und mit Kräutern verfeinern, evtl. ein bisschen Sahne dazu. Wer statt Eintopf lieber Cremesuppe mag: pürieren. Reste können hervorragend eingefroren werden.

Die Idee mit dem Öffnungsdatum ist toll; die werde ich mal gleich übernehmen.

Lebensmittel sollten übrigens nie offen im Kühlschrank stehen. Dessen Kunststoff enthält leider Weichmacher und die gasen mit der Zeit aus.

Toll finde ich deine 'Käseglocke', die ich ja auch schon bei Maria gesehen habe. Hält sich der Käse denn so wirklich frisch? Ich kaufe den jetzt gerne auf dem Markt - das ist sogar Demeter-kontrollierter Käse, aber auch der wird in Papier eingepackt, wo innen eine Plastikhaut ist. Da werde ich mal deine Käseglocke ausprobieren.

Für den Tiefkühler führe ich eine Liste. Das ist zwar lästig, aber so weiß ich immer, was da ist.

Liebe Grüße und danke für die Tipps.

verrueckteshuhn hat gesagt…

Liebe Zora,
danke für den tollen Artikel! Ich ärger mich jedes Mal, wenn ich trotz aller Umsicht doch was wegschmeißen muss.
Und weil ich deine Artikel so toll finde, möchte ich dir den "Liebster Blog-Award" überreichen. Wie das geht, steht hier: http://verrueckteshuhn.wordpress.com/2014/02/24/verrucktes-huhn-ausgezeichnet-mit-dem-liebster-blog-award/. Ich hoffe, du machst mit :-)
Liebe Grüße,
Marlene

widerstandistzweckmaessig hat gesagt…

Hallo Zora!

Danke für Deinen ganz, ganz tollen Beitrag, den ich am liebsten rebloggen würde, wenn ich wüsste, wie das geht...

Das Thema "Lebensmittel" ist mir schon seit ganz vielen Jahren ein ganz wichtiges Anliegen.

@Franka
Ja, Käse hält wunderbar in der Käseglocke, viel besser als anders, ich hatte seitdem nie wieder schimmligen Käse.

lg
Maria

Zora hat gesagt…

@Franka: Oh, das mit dem Kunststoff vom Kühlschrank wußte ich noch nicht - danke für die Info! Der Käse hält super unter der Glocke, da kann ich Maria nur zustimmen!

@Marlene: Vielen lieben Dank! Das ehrt mich sehr! Nur leider, leider sind mir die Awards immer etwas zu aufwändig. Tut mir leid! Nichts desto trotz freue ich mich aber total über deine Nominierung!

@Maria: Oh, rebloggen, keine Ahnung, das weiß ich auch nicht. Wenn du's rausfindest kannst du's aber gerne machen!

LG Zora

Rabin hat gesagt…

Sollte ich jemals genug Platz haben im Kühlschrank für eine weitere extra Box, werde ich die Idee mit der Kiste für die ältesten Lebensmittel übernehmen. ;)
Was Haltbarkeit angeht, probiere ich im Zweifel immer aus. Erst riechen, dann kosten. Kann ich nur jedem empfehlen. Mit der Zeit werden die Sinne auch immer feiner.

Zora hat gesagt…

Ich dachte auch, die Box krieg ich niemals unter, aber sie hat ganz schnell ihren Platz gefunden, nachdem ich den Rest umorganisiert habe. Das geht aber natürlich nur, wenn der Kühlschrank nicht überfüllt ist.
LG Zora

gruenezwerge hat gesagt…

Hallo Zora, danke für den Artikel! Ein Thema das mir sehr am Herzen liegt! Wir versuchen auch, kein Essen wegzuschmeißen, aber leider klappt das auch nicht immer - deswegen bin ich immer sehr dankbar für Tips oder einfach mal wieder den Hinweis, je öfter das Thema n Erinnerung gefrufen wird, umso eher setzt es sich auch dauerhaft durch im Alltag:-) Danke und viele Grüße
Frau Zwerg

Zora hat gesagt…

Ja, es ist wirklich ein wichtiges Thema und ich wollte endlich mal dagegen angehen. Einfach immer weiter weg zu werfen und mich jedesmal schlecht dabei fühlen wollt ich einfach nicht mehr.

LG Zora

Anonym hat gesagt…

Danke fuer den Gedankenanstoss!

Zora hat gesagt…

sehr gerne!
LG Zora

Selina hat gesagt…

Hallo Zora!

Danke für die tollen Tipps, da werde ich auf jeden Fall ein paar übernehmen. Vor allem die Idee mit der "Restekiste" für die dringend zu verwertenden Lebensmittel gefällt mir!
Da ich einen Singlehaushalt mit knappen Studentenbudget führe, muss ich mir genau überlegen, welche Dinge ich einkaufe und welche nicht. Ich plane deshalb schon immer eine Woche im voraus, was ich wann koche. So können Lebensmittel in größeren Mengen als Zutat für mehrere Mahlzeiten dienen, und werden somit von der Mülltonne bewahrt. Einfrieren finde ich auch immer eine tolle Möglichkeit, um der Verschwendung entgegen zu wirken. Manche Gerichte koche ich bewusst in größeren Mengen und friere sie ein, um bei Bedarf dann ein schnelles Mittagessen zur Hand zu haben!
LG Selina

Zora hat gesagt…

Hallo Selina,
ja, die Restekiste ist wirklich super, weil sie einen guten Überblick schafft. Denn gerade mit engem Budget ist es ja super wichtig, die Lebensmittel (bzw. das dafür ausgegebene Geld) wirklich auszunutzen. Ich find's immer abslut genial, wenn Umweltschutz auch noch Geld spart!

Ilona von denkARTig hat gesagt…

Das ist wirklich ein sehr toller und informativer Beitrag. Sollte trotzdem mal etwas übrig bleiben, besonders nach großen Festen, ist Foodsharing oft eine sehr gute und sinnvolle Lösung.

Leider findet das Projekt nur in größeren Städten Anklang.

Zora hat gesagt…

Mensch, die Idee Foodsharing nach einem Fest einzusetzen ist genial! Dem Thema nähere ich mich gerade ganz vorsichtig, von daher ist der Tip genial!