Sonntag, 5. Dezember 2010

Kerzengrade

Vor einiger Zeit hatte ich mit dem Gedanken gespielt, aus den tausenden Kerzenstummeln, die hier rumfliegen, neue Kerzen zu ziehen. Irgendwie kann ich die nämlich nicht gut wegwerfen - schließlich werden sie aus Erdöl hergestellt, und es widerstrebt mir einfach, das ungenutzt in den Müll zu werfen. Vollmundig hatte ich die Idee hier angekündigt, und so gleich Frau Heilewelt inspiriert, ebenfalls die Kerzenproduktion zu starten.
Heute hab ich auf ihrem Blog dann entdeckt, dass sie die Idee in die Tat umgesetzt hat. Das wiederum hat mich zurück inspiriert nun auch mal an's Werk zu gehen und ich habe heute endlich auch Kerzen getaucht.
Acht Stück sind es geworden und ich habe noch Wachs für mindestens weitere drei Duzend übrig, aber die ziemlich giftig riechenden Dämpfe, die ich bei der Aktion produziert hab, haben mich dann doch zur Kapitulation gezwungen. Aber es war unglaublich meditativ, zu sehen, wie das Wachs schmilzt und zu fühlen, wie die Kerzen immer schwerer werden. Das Ergebnis macht mich auch ein ganz kleines bisschen stolz und es war ein tolles Gefühl, ein so altes Handwerk auszuüben. Ein sehr besonderes Erlebnis und perfekt für einen Adventssonntag geeignet.

Für alle, die nun auch unbedingt Kerzen tauchen wollen, habe ich hier eine kleine Anleitung, So wie ich's von einem sehr kerzen-tauch-erfahrenen, lieben Menschen erklärt bekommen hab und mit dessen Hilfe die ganze Aktion auch unfallfrei geglückt ist:

Material:
viele Kerzenreste, am besten komplett durchgefärbt und nicht diese krümmeligen Kerzen nehmen
4 Töpfe (2 davon alt und opferwillig)
1 alten Sieb
1 altes Geschirrtuch
1 hohes, schmales Gefäß (bei mir war's eine Wurstdose)
1 Stäbchen zum Rühren
viele Essstäbchen, Rührlöffel oder Stricknadeln
Kerzendocht am laufenden Meter
Zeitung

Großflächig Boden, Arbeitsplatte, Küchenfronten und alles andere mit der Zeitung abdecken. Heizung aufdrehen, Tür schließen. Den Boden des ersten, großen & hohen Topfes mit einem zugeschnittenen Stück Zeitung ausgelegen, Rührlöffel parallel so über den Topf legen, dass die Stricknadeln bequem auf ihnen abgelegt werden können. Dochtstücke abschneiden und an die Stricknadeln knoten. In einem zweiten großen Topf die Wachsreste schmelzen (der Topf is danach hin). Anschließend das Sieb mit dem Küchentuch drin auf den dritten Topf legen und das Wachs vorsichtig durchschütten (die Sachen sind danach auch hin). Das gefilterte Wachs erneut erhitzen - dabei unbedingt darauf achten, dass es nicht zu heiß wird! Während dessen Wasser kochen und in einen vierten großen Topf geben. Das heiße, gefilterte Wachs in die hohe Dose schütten und ins Wasserbad stellen.
Die Dochtstücke an den Stricknadeln ins Wachs eintauchen, kurz warten, den Docht gerade ziehen, Stricknadel auf die Rührlöffel auf dem Topf ablegen.

Und dann immer wieder: tauchen, warten, tauchen, warten. Ich habe gleichzeitig vier Kerzen getaucht, wenn ich mit allen durch war, hab ich grad vorne wieder angefangen. Gerade bei den ersten Schichten die Kerzen immer mal wieder gerade ziehen und das untere Ende in Form drücken, da entsteht nämlich ein riesen Wachsbollen, wenn man nichts macht. Immer wieder heißes, gefiltertes Wachs in die Dose nachschütten und gut durchrühren. Wird das Wachs in der Dose zu zäh und fängt an zu trockenen, alles in den Topf mit dem gefilterten Wachs zurück gießen und wieder erhitzen, das Wasserbad auch wieder heiß machen. Das alles solange wiederholen, bis die Kerzen eine gute Dicke haben. Dann das untere Ende abschneiden und über die Arbeitsplatte rollen, damit es etwas spitzer wird und in einen Kerzenhalter passt. Fertig!
Ach, während dessen sollte man leider nicht lüften, weil die warmen Kerzen ganz empfindlich auf Luftzug reagieren und sofort krumm und schief werden. Es wird zwar mit der Zeit echt warm und stickig, aber es lohnt sich, durchzuhalten. Wäre sonst zu schade, um die ganze Arbeit!

Nun habe ich also acht handgetauchte Kerzen, die ich zu Weihnachten verschenken kann und bin sehr froh damit. Bis dahin lagern sie jetzt im Gefrierfach, weil sie dann besser brennen werden. Mir gefallen sie echt gut, weil die einzelnen Schichten durchschimmern und eine ganz spezielle Struktur ergeben. Und dafür, dass sie meine Erstlinge sind, find ich sie auch ziemlich gerade. Nicht kerzengrade, aber immerhin fast doch irgendwie gerade genug.
Und das waren sicher nicht die letzten ihrer Art, weil ich zwei Töpfe, ein Sieb, ein Küchentuch, eine Tauchdose und einen Schaschlikspieß dem Wachs geopfert habe. Unmöglich, das Zeug jemals wieder sauber zu kriegen...

Kommentare:

Ann hat gesagt…

Ich muss zugeben deine Kerzen sehen sehr ordentlich aus, viel ordentlicher als meine:-) Aber deine Ausführungen bezüglich des Geruchs haben mich darin bestätigt, eher Stearin- oder Bienenwachskerzen zu benutzen, ich find´den Geruch von Paraffinkerzen echt krass, und mit Kinder bietet es sich ja auch eher an Bienenwachskerzen zu ziehen, wegen der Hitze und wegen des Geruchs. Aber in der Tat find ich es auch gut vorhandene Resourccen zu nutzen. LG Ann

Zora hat gesagt…

Bienenwachs is auf jeden Fall angenehmer! Das ein oder andere Lungenbläschen hab ich sicher bei der Aktion gelassen...
Aber danke nochmal, dass du mir den nötigen Schubser gegeben hast, jetzt auch endlich mal loszulegen!
LG Zora