Montag, 24. März 2014

Was der kann...

... könnte ich auch gern!
So ungefähr lässt sich meine Reaktion zusammenfassen, nachdem ich "Barfuß in Manhatten / Mein ökologisch korrektes Abenteuer" von Colin Beavan gelesen hatte. Mal wieder ein Selbstversuch eines Großstädters, der ein Jahr lang mit Frau und Kind so ökokorrekt wie möglich leben will. Die Parallelen zu "Fast nackt", dem Selbstversuch aus London, sind nicht zu übersehen.
Barfuß in Manhatten
Dennoch war das Buch enorm interessant, kurzweilig und inspirierend! Eine Familie, die innerhalb von vier Tagen drei große Müllsäcke vollkriegt, selber nie kocht, regelmäßig in Urlaub fliegt und sich trotzdem (oder gerade deswegen) vornimmt, es ab sofort anders zu machen. Die auf Aufzüge verzichtet (in Manhatten wohlbemerkt), ihren Fernseher abschafft, nur noch regional einkauft, ihren Müll dramatisch reduziert und den Strom abdreht und daher die Sommerabende lieber im Viertel als in der dunklen Wohnung verbringt. Die Wegwerfprodukte wie Küchenrolle und Taschentücher abschafft, weil es auch ohne geht und sie merken, dass Stofftaschentücher sie glücklicher machen, weil sie ihnen helfen, nach ihren Werten zu leben.

Das Buch hat beim Lesen richtig Spaß gemacht, weil der Autor ganz ehrlich über sich und seine Macken erzählt, von seinem Scheitern und seinen Erfolgen. Der feststellt, dass er bisher einfach so vor sich hingelebt hat, weil es verdammt anstrengend ist, wirklich nach den eigenen Werten zu leben. Und der zugeben muss, dass er selbst gegen sich und seinen Lebensstil protestieren würde, wenn er noch Student wäre. Er verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger, weil das, was er zu sagen hat, auch so schon eindringlich genug ist. Ein Buch, das sehr nachdenklich macht.

Der Versuch des No-Impact-Man war auf Radikalität ausgelegt, um zu testen, was möglich ist. Und da bei ihm so verdammt viel möglich war, stellt sich unweigerlich die Frage, was bei mir selber möglich sein könnte. Warum ich nach mehreren Jahren Plastikreduktion immer noch jeden Monat einen gelben Sack voll kriege, wenn er seinen kompletten Müll innerhalb weniger Monate gegen Null fahren konnte. Wenn der das kann, dann müsste ich das doch auch können!

Bei mir ist der Dreh- und Angelpunkt nach wie vor der Lebensmitteleinkauf, über den jede Woche unnötiges Plastik verbraucht wird. Weil der Bioladen nicht auf dem Weg ist, der Wochenmarkt zu unbequemen Zeiten stattfindet, der Quark im Glas unverhältnismäßig teuer ist, die Biokiste in diesem Wohnsilo nicht abgestellt werden kann und der Verzicht so wahnsinnig schwer fällt. Aber der Vorsatz ist gefasst, in Zukunft bewußt an der Einkaufsroutine zu arbeiten und da Verbesserungen zu erzielen, weil da noch mehr gehen muss. Die Gemüsebeutel liegen bereit; die Herausforderung ist angenommen!


Kommentare:

gruenezwerge hat gesagt…

Ich habe. Das. Buch auch verschlungen, eben weil es so ehrlich und kurzweilig ist... und weil erst sich im Gegensatz zu fast nackt nicht hat von wiedrigkeiten abschrecken lassen! Ich habe mich heute wieder sehr über. Mich selbst geärgert, als. Ich ein neues. pack Wegwerfwindeln gekauft habe... für absolute Notfälle hab ich die immer daheim, aber heute hab ich festgestellt, dass die letzten tage in denen wir wieder wegwerfwindeln gebraucht haben gar nicht sooo Notfall waren! Klar waren beide Zwerge und ich krank, aber das wäre einfach eine besere Organisation gebraucht, und am Abend 10 Minuten. Weniger Chouch... mangelnde Selbstorganisation und Bequemlichkeit- das sind meine Punkte, warum mein Mülleimer immer wieder voll wird! Ich bin dabei, ich nehmen die Herausforderung auch aufs Neue an:-)
Viele Grüße

widerstandistzweckmaessig hat gesagt…

Hallo Zora!

Danke für die Buchvorstellung.

Ich hoffe, Du findest einen für Dich gangbaren Weg fürs Einkaufen. Schade, dass es mit der grünen Kiste bei Dir nicht klappt.

lg
Maria

blaubeer grete hat gesagt…

Ich habe beide Bücher gelesen und war einfach nur beeindruckt.
"Fast nackt" von Leo Hickmann fand ich im Nachhinein humorvoller, jedoch hat mich das Buch von Colin Beavan ganz tief berührt.
Vieles von dem, was Colin Beavan geschrieben hat, versuche ich umzusetzen. Ich wohne in Berlin und habe z.B. dadurch auch die tolle Möglichkeit in einem kleinen Bioladen bei mir in der Straße Wasch- und Spülmittel, Badreiniger, etc. (alles vegan und biologisch abbaubar) in eigene mitgebrachte Gefäße abfüllen zu können. Auf diesem Wege kann ich jede Menge Müll sparen, nur um mal ein Beispiel zu nennen.
Ich lebe seit 18 Jahren vegetarisch, die letzten 3 Jahre mittlerweile vegan.
Ich finde die Grundeinstellung von Colin Beavan einfach nur vorbildlich und so unheimlich gut. Wünsche dir viel Erfolg mit der Herausforderung und bin wahnsinnig gespannt, was du zu berichten hast!

Liebste Grüße,
Grete

trix hat gesagt…

Hi. Danke für den Buchtip. Ich sauge gerade alles zu dem Thema auf. :) Und ja ... den letzten Absatz kann ich unterschreiben. Manchmal ist es einfach schwer, trotz aller Mühen, das Plastikzeug wegzureduzieren. lg trix

Nicole hat gesagt…

Man sollte die Möglichkeiten so einer große Stadt wirklich nicht unterschätzen. Das sehe ich schon an Berlin wo an jeder Ecke Bioläden gibt und ich muss er eine dreivirtel Stunde nach Leipzig fahren um eine Anständigen Naturkosmetikladen zu finden wo man sich z.B. Waschmittel abfüllen lassen kann.
Einfach mal stolz auf den einen Müllsack im Monat sein das ist ein großer Schritt! Ich mach grade Plastiktütenfasten und bin stolz auf mich das ich überall mein meinen Jutebeutel benutze.

Zora hat gesagt…

Hallo ihr Lieben!
Vielen Dank für die lieben, ermutigenden Kommentare! Ich stelle auch immer wieder fest, dass die Großstadt unglaublich viele Vorteile für ein ökologisches Leben bietet - so abwegig das auf den ersten Blick immer wieder scheinen mag. Ich bin etwa neidisch, auf alle, die so tolle Möglichkeiten vor der Tür haben!
LG Zora

Franka hat gesagt…

Danke für die interessante Buchvorstellung. Ich werde es mal auf meine Liste setzen.
Hier in Köln gibt es ein erstaunliches Phänomen: rechtsrheinisch - wo ich wohne - gibt es nur wenige Möglichkeiten, ökologisch korrekt zu kaufen, linksrheinisch - viele Studentenviertel, eine ganz andere Bevölkerung - gibt es viel mehr Bioläden und Ökomärkte. Aber ich suche weiter und probiere aus, wie es für uns am günstigsten ist.
LG, Franka