Montag, 25. Oktober 2010

Experimentierfreudig

Ich finde, es ist mal wieder an der Zeit, dass ich meinen Lebensstil und seine Auswirkungen auf das Klima kritisch unter die Lupe nehme. Und nach sehr kurzem Nachdenken kam ich zu dem Ergebnis, dass da durchaus noch Verbesserungen drin sind.
Mir ist völlig bewußt, dass meine kleine persönliche Anstrengung hinsichtlich der Reduzierung von CO2 kaum eine Auswirkung auf den globalen Klimawandel haben wird. Aber dennoch bin ich der Meinung, dass ich persönlich das zum Klimaschutz beitragen möchte, was in meiner Macht steht. Würden Politiker und Wirtschaftsbosse genauso denken, wäre ja schonmal viel gewonnen... Da ich das aber kaum erreiche, fang ich eben da mit der Veränderung an, wo ich kann: nämlich bei mir.
Im SZ Magazin habe ich neulich einen Artikel darüber gelesen, wie weibliche Konsumentscheidungen zu einem gesteigerten Angebot von ökologischen und ethischen Produkten und Dienstleistungen geführt haben. Und so kam ich zu dem Entschluß, mein eigenes Kaufverhalten wieder stärker an den Kriterien der Nachhaltigkeit auszurichten.

Es gibt viele Lebensbereiche, bei denen das möglich ist. Ich beschränke mich, das ist dem Thema des Bloggs geschuldet, auf den Bereich "Mode".

Darum starte ich das halbjährige Experiment, in dem ich nur Klamotten und Textilien kaufen werde, wenn sie aus biologischem Anbau oder fairer Produktion stammen, bzw. second-hand sind. Eine weitere Möglichkeiten an neue Klamotten zu kommen, ist natürlich auch die Eigenproduktion.

Bio-Klamotten deshalb, weil der Anbau von Biobaumwolle die Umwelt sehr viel weniger belastet als der konventionelle Anbau und für die Gesundheit der Arbeiter bedeutend förderlicher ist.
Fair produziert, weil der faire Handel gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen garantiert und häufig kleine Kooperativen unterstützt.
Second-hand, weil Produktlanglebigkeit Neuproduktion vermeidet und damit die Ressourcen schont.
Selbst hergestellt, weil ich so Massenproduktionen unter katastrophalen Arbeitsbedingungen entgegenwirke.

Da mir leider nicht unbegrenzte Geldmittel zur Verfügnung stehen, werde ich wohl einige Kompromisse eingehen, einfach, damit das Experiment eine realistische Erfolgschance hat. So denke ich, dass ich auch Bio-Klamotten von großen Modeketten kaufen werde, auch wenn ich davon ausgehe, dass sie das Kriterium der angemessenen Arbeitsbedigungen eher nicht erfüllen (was ich aber nicht genau weiß). Und ich werde mir auch erlauben, konventionell produzierte Stoffe zu kaufen und zu vernähen, alles andere halte ich für illusorisch. Und last, but not least, werde ich textile Geschenke ebenfalls während des Experimentes annehmen - ich habe eine Oma, die gerne Küchentücher, Strumpfhosen oder Frottetücher zu Weihnachten verschenkt, da kann und will ich einfach nich "Nein" sagen.

Ich bin sehr gespannt, wie ich mich schlagen werde. Besonders, da ich gerade jetzt ganz dringend neue Schuhe, eine neue Jeans und eine Mütze brauche. Ich muss also dringend stricken lernen und werde bis zum 25. April 2011 immer mal wieder berichten, wie es um das Experiment steht.

Kommentare:

Katrin hat gesagt…

Schönes Experiment! C&A ist übrigens laut Stiftung Warentest von den großen Modeketten noch diejenige, die am ehesten auf die Produktionsbedingungen schaut. Zumindest lassen die sich wohl noch halbwegs in die Karten schauen, wohingegen beispielsweise H&M jegliche Auskunft verweigert. Aber naja, so richtig weiß mans halt doch nie.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie gut das ganze für dich klappt und freue mich auf Berichte!

Ann hat gesagt…

Ich find das ganze ja ein sehr schwieriges Thema. Vor kurzem war in irgendeinem Blog mal Thema dass Kinderkleidung unter üblen Bedingungen produziert wird und die Kommentare waren da dann etwa so: Wenn man will kann man (ich würde sagen: meistens Frau) ja die Sachen selbst nähen. Soweit! Woher die ihre Stoffe und Materialien bekommen und ob da alles korrekt zugeht war gar kein Thema, und wenn ich auf dem Stoffmarkt 5€ für den meter Baumwolle zahle ist wohl anzunehmen das es keine fair gehandelte Bioware ist.
Na ja mir geht es jedenfalls so, dass mir ab und an schlecht wird wenn ich meinen Konsum überdenke, das geht ja von der Tierhaltung zur Schoko (Kakao aus Kinderarbeit) zu den Textilien etc. Die "Kamagne saubere Kleidung" hat ja sogar bei verschiedenen Outdoormarken festgestellt, dass diese unter miesen Bedingungen produziert werden..und selbst in den Läden hier arbeiten dann Leute unter miesen Bedingungen (siehe LIDl)...Und Flohmarkt find ich umgeht ja auch nur eine Stufe, ich kaufe halt die HM klamotten von den Frauen ab die viel mehr kaufen als sie brauchen, mit dem Erlös aus ihrem Flohmarkt kaufen die dann neue Billigware. Andererseits kann ich mich auch mit den esoangehauchten LOHAS oder KARMAkonsumenten anfreunden, die Ansichten finde ich dann doch recht elitär.Richtig richtig machen geht wohl nicht?!Aber über diese Themen könnte ich auch Romane schreiben...(Merkt man/frau es?) (Ähm den Stromanbieter habe ich noch nicht gewechselt, aber schon mal Infomaterial besorgt;-)

Zora hat gesagt…

@Katrin: Danke fuer den Tip!
@Ann: Wenn man drueber nachdenkt, kann man wirklich kaum noch konsumieren. Aber da das ja nicht geht, dann halt so "korrekt" wie moeglich. Deswegen hab ich mir auch mehrere Kriterien ausgesucht, damit ich eine Chance hab, mein Experiment zu gewinnen.
Ich wuensch uebrigens viel Erfolg beim Wechsel ;-)

LG Zora