Montag, 4. August 2014

Markttage...

...sind gute Tage!
Im plastic free july war ich ja viel auf dem Markt und hab auch schon beschrieben, wie wichtig er für meine plastikfreien Lebensmitteleinkäufe ist. Aber nicht nur deshalb mag ich den Markt mittlerweile gerne, sondern auch, weil er mich inzwischen ungemein erdet - so seltsam das klingen mag. Alleine schon, dass ich bewusst hinradel und nicht auf dem Nachhauseweg schnell irgendwo reinspring. Dass ich mir Dosen mitnehme für Fisch, Fleisch, Wurst oder Käse und mir deshalb vorher überlege, was ich kaufen möchte. Dass ich dort meine Satteltaschen mit regionalem Bio-Obst und Gemüse fülle und dann im Supermarkt noch kaufe, was fehlt. Dass ich richtige Grundnahrungsmittel kaufe und keine industriell gefertigten halb- oder Fertigsachen.
Obwohl ich im Alltag viel zu selten Zeit habe auf den Markt zu gehen, ist das mittlerweile ein echtes Ritual geworden. Zuhause packe ich dann immer alle meine Schätze aus und freue mich, dass ich Lebensmittel sehe und keine Verpackung.
plastikfreier Einkauf vom Bauernmarkt und Supermarkt
So sehr ich das Einkaufen auf dem Markt mittlerweile mag, so lange war der Weg dahin. Jahrelang wusste ich von ihm, hätte sogar am Markttag Zeit gehabt und bin trotzdem nicht hingegangen. Ich hatte so eine große Scheu davor, weil sich das Einkaufen dort fundamental vom Einkaufen im Supermarkt unterscheidet. Ich musste erst lernen, wie das funktioniert.
Denn auf dem Markt musst du unweigerlich in Kontakt gehen. Musst dem Verkäufer sagen, was du willst und wie viel davon, ob große Zwiebeln oder kleine. Musst ganz schnell überlegen, in welcher Reihenfolge du die Sachen kaufst, damit die Pfirsich in der Satteltasche nicht von den Kartoffeln zerdrückt werden. Musst schnell die Preise scannen, weil es beim Biobauern auch echt teuer werden kann und dann deine Auswahl nochmal ändern.
Und das alles unter den Augen des Verkäufers, der dann die Sachen aussucht, abwiegt und rüber reicht. Und weil ich die Sachen meistens ohne Papiertüte will, fiehl am Anfang bei der Übergabe regelmäßig was runter, bis ich endlich meine Gemüsenetzte mitbrachte. Das Ganze hat mich am Anfang richtig gestresst und mit Unbehagen erfüllt und ich hab nur ganz wenig gekauft, um die Situation schnell wieder zu beenden.
Wenn viel los ist und ich hantiere mit meinen Dosen rum, komme ich immer noch in Streß. Welche Dose hat wohl die richtige Größe, was mach ich, wenn ich den Deckel doch nicht zukriege, reichen die Dosen für alle meine Einkäufe? Statt non-chalant zu lächeln und mir die Zeit zu nehmen, die ich halt brauche, versuche ich möglichst schnell zu machen um nicht noch seltsamer zu sein, als ich mit den Dosen eh schon bin. Puh, was für ein verkorkstes Stadtkind ich doch bin!
Aber mit der Zeit hat sich was verändert. Erst bin ich mit weniger Scheu und mehr Freude hingefahren, weil ich entdeckt hab, dass dort ein guter Ort ist, um plastikfrei einzukaufen. Und dann gab es ein neues Highlight, denn ich habe zum ersten Mal Wiedererkennen in den Augen "meiner" Marktfrau gesehen. Das ist für mich wie ein Ritterschlag: Ich bin in der Marktwelt angekommen!  Und damit ist der Einkauf noch viel schöner geworden und unterscheidet sich noch mehr vom Supermarkt, bei dem ich niemandem in die Augen schauen muss und noch nicht mal ein Wort wechseln, wenn ich nicht will. Unglaublich, wie systematisch wir es uns abgewöhnt haben, anderen Menschen zu begegnen.

Ich bin echt froh, dass ich nach so langem Verharren in meiner Supermarkt-Komfortzone den Schritt raus gewagt habe, ich mir den Markt erobern konnte und er mittlerweile zu meinem Leben dazugehört. Markttage sind eben gute Tage!

Kommentare:

gruenezwerge hat gesagt…

Wie recht du hast! Am. Anfang fand ich es furchtbar, mich an. Jedem Stand unterhalten zu müssen... mitlerweile genieße ich es, mich mit den Verkäufern auszutauschen und von ihnen Tips über Lagerung, Zubereitung oder einfach nur ein Geschichtchen vom Bauernhof zu hören:-) Auch hier werde ich langsam wieder erkannt (vielleicht auch wegen meinem Splien, keine Verpackung zu fordern, an Käuze erinnert man sich leichter:-) ) und der Zwerg und ich genießen unseren entschleunigten Vormittag wenn wir in der Früh gemeinsam hin laufen und der Zwerg auf dem Rückweg ein schläft... meiatens gerade dann, wenn ich entschieden habe den BUs zu nehmen... also wird auch wieder gemütlich zurück gelaufen, damit erst nicht aufwacht! Auch hier: Markt tage sind gute Tage!
Viele Grüße von der Zwergenmama

Zora hat gesagt…

Ach, da bin ich ja froh, dass ich mich nicht als Einzige so deppert angestellt hab, am Anfang.
So wahnsinnig viel ratsch ich noch nicht mit "meinen" Marktfrauen, aber es is mittlerweile ein freundliches Widererkennen, was ich sehr schön finde.
LG Zora

widerstandistzweckmaessig hat gesagt…

Hallo Zora!

Was für ein schöner Bericht!

Mir geht es da ganz ähnlich, dieses "erden" wie Du es schreibst, empfinde ich auch so.

Für mich wird die Natur viel mehr spürbar am Markt als wenn ich plastikverpackte Tassen mit Obst in meinen Einkaufswagen lege.

Danke auch für die schönen Fotos!

lg
Maria

Zora hat gesagt…

Die Fotos waren gar nicht so leicht zu machen: Voller Markt und ich mitten drin mit Fahrrad & Fotoapparat. Die irritieren Blicke der Senioren um mich herum hab ich einfach ignoriert ;-)
LG Zora

abenteuerplastikfrei hat gesagt…

Eigentlich ist es doch seltsam, dass man eine Scheu davor hat, Menschen dort zu begegnen, aber auch ich habe mich sehr in Deinem Bericht wiedergefunden. Anfangs war ich dadurch auch besonders unbeholfen, das ist schon eine komische Welt, in der wir da heute leben. Früher war das alles normal, aber durch die Anonymität haben wir sehr viel verlernt. Das Gefühl, wirklich wieder LEBENSMITTEL zuhause zu haben, mag ich auch sehr!!!

Zora hat gesagt…

Ich bin echt froh, dass ich nicht die Einzige bin, der es so ergangen ist. Dachte schon, ich wäre irgendwie völlig degeneriert ;-)
LG Zora