Dienstag, 20. Mai 2014

gelebte Utopie

Letzte Woche war ich auf einer Veranstaltung mit dem klanghaften Namen "geldfrei leben", in der Tobi von "Living utopia" über seinen geldfreien Lebensstil erzählte und jede Menge kritische Fragen beantwortete.
Es ist ewig her, dass ich mich live mit anderen Ökonasen getroffen und ausgetauscht habe und es war teilweise sehr lustig, teilweise sehr interessant, teilweise sehr klischeehaft und alles in allem wahnsinnig inspirierend. Seine Idee in einer Nussschale: Befriedige deine Bedürfnisse, ohne eine neue Nachfrage zu schaffen, indem du den vorhandenen Überfluss der Gesellschaft nutzt. Das bedeutet: Trampen statt selber fahren, Essen retten statt kaufen, nicht mehr gewollte Kleidung verschenken statt wegzuwerfen, usw.
Quelle
Tobi reist, hält Vorträge und lebt, ohne selbst Geld zu benutzen. Das Ganze funktioniert über Couchsurfing, Foodsharing und großzügige Menschen, die ihre Reeourcen teilen, weil sie ihn gerne unterstützen möchten. Er bewegt sich zwar im Geldsystem, ist aber irgendwie auch draußen, weil er nur auf Mittel zurückgreift, die eh schon da sind und die ihm geschenkt werden.
Erstmal klingt das unvorstellbar; außerdem noch wahnsinnig unpraktisch, unbequem, beängstigend und anstrengend, aber es scheint zu klappen und er wirkte äußerst zufrieden mit sich und seinem Leben und sprühte nur so vor Freude und Energie.

Mir hat echt gut gefallen, dass er nicht die These vertrat, dass morgen alle ohne Geld leben sollen, sondern dass er Menschen inspirieren möchte, ihren Lebensstil und die vermeintlich unveränderlichen Gegebenheiten und Denkmuster zu hinterfragen. Dass er sich für gelebte Großzügigkeit ausspricht und so einen Kontrapunkt zu Konkurrenz und Leistungsorientierung setzt. Für Teilen statt Wegpacken. Für ein Miteinander statt Einzelkämpfertum. Und dass er sich nicht in theoretischen Diskussionen verlieren will, sondern lieber anpackt und etwas tut.
Ein Alternativer mit Tatendrang - das war echt mal eine wohltuende Abwechslung!

Und dieser Tatendrang war ansteckend, denn ich bin mit einigen neuen Kontakten und Plänen nach Hause gefahren, die ich hoffentlich bald umsetzen kann. Ach, das war wirklich toll! Denn nicht nur mein Kopf war voll, sondern auch noch meine Tasche, da dort auch noch über foodsharing gerettete Lebensmitteln verteilt wurden, aus denen ich einige leckere Sachen zaubern konnte, die mich bei jedem Bissen an den inspiriedenden Abend erinnert haben.
Und jetzt habe ich richtig Lust, den nächsten Schritt zu tun und ein Projekt anzupacken, mit dem ich mich mal aus meiner kleinen privaten Ökonische rausbewege und mich in einen etwas größeren Kontext bewege. Die Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren...

Wer sich übrigens mehr für's Thema "geldfrei leben" interessiert, dem empfehle ich einen Blick auf die Seite von Tobi und seinen Mitutopisten. Und wer noch mehr wissen oder mit ihm diskutieren will, sollte einfach einen Raum organisieren und ihn für einen Vortrag einladen. Der Kerl is nämlich echt ein Erlebnis.

Kommentare:

Ilona von denkARTig hat gesagt…

Was für ein tolles Projekt. Ich bin wirklich sehr begeistert. Besonders die Aussage "Miteinander statt Einzelkämpfer". Das ist auch genau meine Einstellung.

Zora hat gesagt…

Ja, der Abend hat deutlich gemacht, dass wir alle sehr viel mehr davon haben, wenn wir miteinander im Gespräch sind, uns vernetzen und die Ressourcen des anderen mitnutzen, statt dass sich jeder selber die Dinge anschaffen muss.
LG Zora

schillers platzli hat gesagt…

Finde es gut wenn Menschen vorzeigen das es auch anders geht und sie gleichzeitig nicht mit dem Fingerzeig jeden verbessern wollen.
Bin gespannt auf die Ideen die du umsetzten kannst.
glg
Sonja

Zora hat gesagt…

Just gestern hab ich die erste Idee mit der Tauschparty schon umsetzen können. Das hat unheimlich Spaß gemacht und zeigt mir, dass dieser gemeinschaftliche Ansatz eine schöne Sache ist.
LG Zora